3. Verbesserungsprojekte
Materialbeschaffung

Papier ist geduldig? – Nachhaltige Materialbeschaffung

Vom Papier für den Schriftverkehr im Gemeindebüro und Tonpapier für Basteleien in Gruppenstunden über Kerzen und Blumenschmuck für die Kirche bis zum Steinmaterial für Grabmäler – im Gemeindeleben wird jegliche Formen von Material genutzt. Oft wird jedoch mehr eingesetzt, als wirklich gebraucht wird. Der Papierverbrauch in Deutschland liegt pro Kopf bei 250kg jährlich. Um Verschwendung zu vermeiden, kann man sich im Büroalltag fragen: Muss ich meine Termine, Protokolle und eMails ausdrucken oder reicht auch die digitale Version? Aber nicht nur das Einsparen von Material ist sinnvoll: Blumen und Natursteine gibt es aus Fairem Handel – sogar den Weihrauch kann man fair erwerben.

Vom Papiersparen  

Foto: Carolin Harms
Für die Papierproduktion wird viel Holz verbraucht,  das mehrheitlich aus Intensivforstwirtschaft stammt, aber auch aus Kahlschlag in den Tropen oder Urwäldern. Werbung und Schriftverkehr sind nötig, aber dafür ist nicht unbedingt eine Materialschlacht notwendig. Beim Bestellen von  Werbemitteln bewusst auszuwählen, ist ein guter Anfang – auch wenn bei Druckaufträgen die Kostendifferenz zwischen 1000 und 1500 Flyern nicht mehr beträchtlich ist. Papier kann man an vielen Stellen einsparen, ob nun im Büro oder auch am Papierhandtuchspender auf der Toilette – hier regt zum Beispiel ein Aufkleber mit dem Schriftzug „Wie viel Papier brauchst du wirklich?“ zu bewusster Nutzung an. Hinzu kommt, dass die Papierherstellung aus Holz gegenüber der Papierproduktion aus Altpapier viel mehr Frischwasser und zwei- bis dreimal so viel Energie verbraucht. Das Einsetzen von Recyclingpapier ist also äußerst sinnvoll bei Druck- und Schreibpapier, aber auch Toilettenpapier.

Kein steiniger Weg: Fairer Naturstein

So schön bearbeiteter Naturstein auch ist – der Abbau erfolgt in Entwicklungsländern oft unter katastrophalen Arbeitsbedingungen. Ohne Sicherheitsvorkehrungen wie Staubmasken oder
Handschuhe werden die Steine abgebaut, oftmals unter dem Einsatz von Kinderarbeit. Folglich leiden Erwachsene wie Kinder unter Staublungen; durch die Nutzung von alten Maschinen kommt es zudem immer häufiger zu schweren Unfällen. Diesen unhaltbaren Bedingungen tritt die neue Fair
Trade-Kennzeichnung „Fair Stone“ entgegen. Wer Natursteinprodukte unter diesem Siegel kauft, unterstützt faire Arbeitsbedingungen für die Produzenten:
Betriebe in China und Indien verpflichteten sich bereits schriftlich, innerhalb von drei Jahren die geforderten fairen und ökologischen Standards zu erfüllen.

Rund um die Kirche

Foto: Paulus Decker
In der Kirche werden viele verschiedene Materialien gebraucht, unter anderem Kerzen, Weihrauch und Textilien, zum Beispiel als Altar- oder Amboschmuck. Beim Kauf von Kerzen kann man darauf achten, dass diese aus Biomasse hergestellt sind, also aus Pflanzenfettenwie Rapsöl oder Recyclingölen. Auch gibt es klimaneutrale Teelichter ohne Aluminium-becher zu bestellen, stattdessen kann man auf Glas-oder Edelstahlhalter zurückgreifen. Die Fair-Handels-Organisation El Puente bietet in ihrem Onlineshop außerdem fair gehandelten Weihrauch an. Lohnenswert ist bestimmt auch der Besuch des nächsten Weltladens, wenn man nach dekorativen Stoffen sucht – ob für den Altar oder Ambo, für Weihnachten oder Pfingsten, hier finden sich bestimmt passende Tücher und Decken in allen Größen und Farben.

Blumen aus fairem Anbau

Foto: Paulus Decker
Die Kirche, die Fensterbank im Pfarrbüro und die  Tischdekoration bei Veranstaltungen: Alles wirkt schöner, freundlicher und einladender mit einem schmückenden Blumenarrangement. Doch kaufen wir Blumenschmuck, haben diese Schnittblumen bereits einen weiten Weg zurückgelegt, denn nur jede fünfte von ihnen stammt aus deutschen Gewächshäusern. Vor allem in Afrika und Lateinamerika werden Blumen kultiviert, die per Flugzeug auf den deutschen Markt gelangen. Mit der dortigen Blumenproduktion gehen jedoch oft soziale und ökologische Probleme einher: Menschenunwürdige Arbeitsbedingungen wie Niedriglöhne, keine geregelten Arbeits- und Pausenzeiten sowie Kurzarbeitsverträge bestimmen den Alltag in den Blumenfarmen Afrikas und Lateinamerikas. Durch den Einsatz von Pestiziden werden außerdem die Gesundheit und Umwelt in Mitleidenschaft gezogen. Wenn Sie sich beim Blumenkauf am jahreszeitlichen Angebot orientieren und Blumen aus heimischem Anbau wählen, leisten Sie bereits einen Beitrag zum Umweltschutz im eigenen Land. Möchten Sie die umwelt- und menschenfreundliche Blumenproduktion in den Ländern des Südens unterstützen, helfen Ihnen die Siegel des Flower Label Programms. Aus den Niederlanden stammende Blumen sollten die Siegel MPS-A oder "MPS Socially Qualified" tragen.

Möglichkeiten fairen Einkaufens – speziell für Gemeinden und Einrichtungen

Die Wirtschaftsgesellschaft der Kirchen in Deutschland (WGKD) ist eine ökumenische Einkaufsplattform, die aus einem Zusammenschluss des Deutschen Caritasverbands, der Evangelischen Kirche in Deutschland, dem Diakonischen Werk, dem Verband der Diözesen Deutschlands und der Deutschen Ordensobernkonferenz im Jahre 2004 entstanden ist. Die WGKD hat die Aufgabe, durch den Abschluss von Rahmenverträgen allen Körperschaften und Einrichtungen
der fünf teilhabenden Gesellschafter bessere Konditionen im Bereich von Produkten und Dienstleistungen anzubieten. Dies wird durch Verträge zwischen der WGKD und Firmen mit

ökologischen und faire Produktangeboten ermöglicht. Solche Rahmenverträge sollen Kirchengemeinden und kirchlichen Einrichtungen günstigere Einkaufsbedingungen schaffen. Weitere Informationen erhalten Sie unter www.wgkd.de.


Klicken Sie hier: Checkliste zum Thema Materialbeschaffung
(angelehnt an die Checklisten der Kampagne Zukunft Einkaufen)


Zurück zur Übersicht der Artikel

Fairtrade-Onlineschulung
mehr...