3. Verbesserungsprojekte
Lebensmittel

Das lässt man sich schmecken – Lebensmittel kritisch konsumieren

 „Wir leben in einer Überflussgesellschaft“ – Diesen Satz wird wohl jeder schon einmal gehört oder selbst ausgesprochen haben. Dahinter steckt ein kritisches Bewusstsein über unser Kauf- und Konsumverhalten, das sich nicht immer mit unserem wirklichen Handeln deckt: Im Dezember kaufen wir Erdbeeren, den fair gehandelten Kaffee haben wir noch nicht probiert und aus Versehen ist auch eine Thunfischdose ohne Umweltsiegel in den Einkaufswagen gerutscht. Hinzu kommt die viel zitierte „Wegwerfmentalität“: Jede und jeder Deutsche wirft durchschnittlich jedes Jahr Lebensmittel im Wert von 330 Euro weg, so Schätzungen des Bundesverbraucherschutz-ministeriums; jedes achte Lebensmittel, das wir kaufen, landet im Müll.

Dabei stehen uns vielfältige Möglichkeiten zu Verfügung, um unser Verhalten zu ändern. Eine kritische Überprüfung des eigenen Handelns ist der erste Schritt in die Richtung einer Gesellschaft, die mit dem „Überfluss“ umzugehen weiß.

 Regional, saisonal, bio

Foto: Carolin Harms
 „Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah?“ Diese poetische Frage ist ein guter Beginn für ein umweltfreundliches Umdenken: Warum im Supermarkt die Milch aus Norddeutschland, die irische Butter oder die Birnen und Äpfel aus Argentinien kaufen, wenn man all diese Produkte regional beim Bauernhof oder im Bioladen in der Nähe erwerben kann? Das ist klimafreundlich, weil es Transportwege spart. Auch auf die eigene Fahrt zum Einkaufen sollte man achten, denn dies ist oft die wichtigste Einflussgröße auf die Klimabilanz des einzelnen Lebensmittels. Als Gemeinde oder Einrichtung würde sich sicherlich auch eine Dauerbestellung von frischem Obst und Gemüse beim lokalen Bioladen lohnen – Ihre Mitglieder und Gäste werden sich über den intensiven Geschmack der „nebenan“ gereiften Leckereien freuen. Auch saisonaler Konsum ist eine wichtige Sache: So wird energieintensiver Gewächshaus-anbau oder Kühlhauslagerung vermieden. Außerdem kann man sich ein Vergnügen daraus machen, zusätzlich saisonal zu kaufen: Mit Hilfe eines Erntekalenders das Essen für das nächste Gemeindefest auf die Beine zu stellen ist eine Aufgabe, die den Produzentinnen und Produzenten, Köchinnen und Köchen sowie den hungrigen Essern „schmecken“ wird.

 


Fairer Handel – eine gute Sache

Foto: Carolin Harms
Natürlich gibt es viele Produkte, die nicht in unserer Region angebaut oder hergestellt werden können, sondern aus anderen Ländern importiert werden. Eine gute Alternative zu den ungerechten Welt-wirtschaftsstrukturen stellt der Faire Handel dar. Garantiert werden den Produzentinnen und Produzenten nicht nur gerechte Arbeits-bedingungen: Die eigenen Produkte zu einem fairen Preis verkaufen zu können sichert die Lebensgrundlage und die Ernährungssicherheit der Produzierenden und ihrer Familien. Faire Produkte gibt es im Weltladen, aber auch in immer mehr Bioläden, Supermärkten, sogar Discountern. Die Anschaffung eines „fair-o-mats“ ist eine tolle Möglichkeit für Gemeinden, Einrichtungen oder Verbände, fair gehandelte Produkte in den Alltag zu integrieren: im Jugendzentrum, Verbandsheim oder Gemeindebüro werden sich alle über den fairen Süßigkeitenautomaten freuen. Auch ein fairer Kochabend wäre eine nette Ergänzung zum Gemeindeleben – auf www.gepa.de finden Sie ein faires Online-Kochbuch.

Hilfreiche Siegel

 Gentechnikfreie Produkte zu kaufen ist ebenfalls ein Statement für ein umweltbewusstes Leben,
ebenso ein bewusster Konsum von Fleisch und Fisch. Doch wie entscheidet man sich für das richtige Produkt? Hier können Siegel weiterhelfen: Bioprodukte, Produkte aus nachhaltigem Fischfang sowie fair gehandelte und gentechnikfreie Lebensmittel sind mit unterschiedlichen Siegeln gekennzeichnet. Eine Zusammenstellung der Siegel finden Sie in der Linkliste zum Thema Lebensmittel.

Kein Essen für den Eimer

Foto: Carolin Harms
Die Energie von noch so kritisch eingekauften Nahrungsmittel ist vergeudet, wenn sie im Müll landen. Als Basis aller Kaufentscheidungen sollten wir uns überlegen, was wir wirklich brauchen. Und am Herd geht das Sparen weiter: Ein genaues Kalkulieren beim Kochen für viele Personen kann übermäßiges Wegwerfen enorm reduzieren. Übrig gebliebene Speisen kann man erneut aufwärmen, einfrieren oder kreativ zu neuen Rezepten zusammen-würfeln. Das Mindest-haltbarkeitsdatum stellt uns auch oft ein Bein: Das Missverständnis, dass auch verschlossene Produkte nur bis zu diesem Punkt haltbar sind, bedeutet für viele noch frische Produkte den Weg in die Tonne. Wir sollten uns mehr auf unsere Sinne verlassen, denn Lebensmittel sind meist noch brauchbar, wenn sie noch gut aussehen und riechen.

Umweltbewusster Konsum – auch bei Getränken

Große multinationale Konzerne wie z.B. CocaCola oder Nestlé genießen zwar weltweite Bekanntschaft und Profite, stehen aber nicht unbedingt für internationale Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit ein. Die katholischen Jugendverbände beteiligen sich aus diesem Grund am CocaCola-Boykott. Tatsächlich gibt es vielfältige alternative Getränke aus der Region, die den international bekannten Marken in Geschmack nicht nachstehen und deren Hersteller sich zum Teil sogar in besonderer Weise sozial engagieren, wie beispielsweise die Josefsbrauerei. Der Faire Handel bietet ebenfalls abwechslungsreiche Angebote im Getränkebereich: Die GEPA zum Beispiel bietet Teesorten von Darjeeling First Flush über Indischen Chai bis hin zu Grünem Ceylon alles, was das Herz begehrt. Und übrigens: Auch das Vorurteil gegenüber fair gehandeltem Kaffee kann man getrost abhaken. Zwischen dem ersten fair gehandelten Solidaritätskaffee, dem berühmt-berüchtigten „Nicaragua-Kaffee“, und dem heutigen hochwertigen Spitzenkaffee der GEPA liegen Welten. Die große Auswahl, ob Bohne, Pad oder gemahlen, reicht von Schonkaffee bis zum aromatischen Espresso – da ist für jeden Geschmack etwas dabei.


Klicken Sie hier: Checkliste zum Thema Lebensmittel
(angelehnt an die Checklisten der Kampagne Zukunft Einkaufen)


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